Archiv für August 2015

Bad Nenndorf 2015 – The same procedure as every year…

Der 10. sogenannte „Trauermarsch“ der rechtsextremen Szene in Bad Nenndorf ist Geschichte. In den Medien sind Schlagzeilen wie „Konfetti regnet auf Neonazis“ oder Sätze wie „In Bad Nenndorf wird der „Trauermarsch“ der rechtsextremen Szene am Samstagnachmittag mit lautstarkem Protest zum Schweigen gebracht“ zu lesen. Klingt irgendwie nach einem erfolgreichen Tag in der kleinen niedersäschsichen Stadt am Deister.

Natürlich hängt viel mit der Perspektive mit der man die Dinge betrachtet zusammen, aus unserer Sicht jedoch war der 01. August in Bad Nenndorf eher ernüchternd und alles andere als ein Erfolg!

Hält man sich einmal an die Fakten und betrachtet die Gesamtsituation in Bad Nenndorf, sieht die Sache leider so aus:
Wieder konnte es nicht verhindert werden, dass die Neonazis über 2 Stunden lang durch Bad Nenndorf gelaufen sind. Wieder konnte nicht verhindert werden, dass die Neonazis ihre ihnen so wichtige Kundgebung vor dem Wincklerbad durchführen konnten. Wieder war es nicht möglich eine relevante Störaktion auf der Route der Nazidemo durchzuführen. Und wieder gab es einige verletze Gegendemonstrant*Innen.

Und was eigentlich noch viel trauriger ist: Wieder lagen die Gründe für ein scheitern ganz offensichtlich auf der Hand.
Wir möchten an dieser Stelle einmal die Situation aus unserer Sicht beurteilen, zuvor jedoch klar stellen, dass wir hier keine bestimmten Gruppen oder Personen kritisieren möchten und allen Menschen die sich auch im 10. Jahr des sogenannten „Trauermarschs“ in Bad Nenndorf den Neonazis in den Weg gestellt haben, sehr dankbar sind!

Im August des Jahres 2013 war es das erste und einzige mal, dass der „Traueraufmarsch“ der Neonazis in Bad Nenndorf über Stunden blockiert werden konnte und die Nazis nicht vor dem Wincklerbad demonstrieren konnten. Einer der Hauptgründe für diesen Erfolg war die Tatsache, dass die Gegenveranstaltung von Bad Nenndorf ist bunt zeitlich deutlich vor den Nazis begann und eben am Wincklerbad, dem Auftakt-Kundgebungsort der Nazis, beendet wurde. Um die Kundgebung zu verhindern brauchte man sich also eigentlich nur noch ganz gemütlich auf die Straße setzen. Dies taten dann auch etwa 400 Menschen, die Polizei war bei über 30°C Hitze völlig überfordert mit der Räumung des Wincklerbads und erteilte den Faschos letztendlich eine klare Absage!

Dieses Jahr fand die Hauptkundgebung von BNIB nicht einmal in Hör- oder Sichtweite zum Wincklerbad statt und somit hatte die Polizei genügend „Spielraum“ um die Naziroute weiträumig abzuriegeln. Die Blockade des Zuges und des Gleises am Bahnhof in Bad Nenndorf war natürlich eine super Aktion, zeitlich etwas besser abgestimmt hätte sie aber durchaus noch deutlich wirkungsvoller sein können. Nichts desto trotz natürlich ein schöner Erfolg dass über 100 Neonazis von Haste (mal wieder) zu Fuß nach Bad Nenndorf laufen mussten.

Auch die kurzzeitige Blockade des Bahnübergangs an der Bornstraße zu Beginn, lief ziemlich unorganisiert und chaotisch ab, was auch dazu führte, dass es einige Verletze Personen durch Pfefferspray, Polizeipferde und Knüppel gab. Während der eine Teil der Gegendemonstrant*Innen noch solidarisch auf Personen aus der Räumung des Bahnsteigs warteten, startete der restliche Teil der Gegendemonstrant*Innen den Blockadeversuch. Gemeinsam wäre man dort sicher deutlich erfolgreicher gewesen und hätte die Blockade länger halten können.

Das, wie häufig, viele kleine Bezugsgruppen in Bad Nenndorf dezentral unterwegs waren machte Sinn, allerdings muss man auch ganz klar sagen das es durchaus möglich gewesen wäre, mit einer größeren Gruppe, auf die abgesperrte Naziroute zu gelangen. Es gab einige Orte und Durchgangsmöglichkeiten die den ortsfremden Polizeibeamt*Innen nicht bekannt waren, oder die vom Kräfteverhältnis her hätten locker überwunden werden können. In diesem Punkt scheiterte es wohl an guter Kommunikation.

Als kleinen Trost gab es zum Ende des Tages aber auch noch viele erfreuliche & belustigende Dinge zu erleben:
Bei der Ankunft der Neonazis am „Wincklerbad“ wurden diese von den Gegendemonstrant*Innen mit dem traditionellen Schlumpflied und 15 Kilo Konfetti empfangen. Sowohl der „Trauermarsch“ als auch die Abschlusskundgebung wurde mit lautstarkem Protest zum Schweigen gebracht. Kein einziger Satz, kein Wort war außerhalb der im Kreis aufgestellten Neonazis zu hören. Am Wincklerbad konnten selbst einige Nazis nicht den Reden folgen.

Lacher des Tages:
„Bitte senken Sie die Lautstärke, damit die Kundgebung ungestört verlaufen kann“, bat die Polizei die Gegendemonstrant*Innen.
Der Protest wurde stattdessen noch lauter…